aktuell, 03.11.2026
Eine gewaltige Explosion am anderen Ende des Planeten schickte am 15. Januar 2022 Druckwellen um die ganze Erde – und bewies ganz nebenbei, dass die Erde doch keine Scheibe ist
Am 15. Januar 2022 um ca. 04:15 UTC brach der Unterwasservulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai aus.
Die Explosion erzeugte eine starke Lamb-Welle, die mit etwa 310–320 m/s um die Erde lief und nach rund 13–14 Stunden Mitteleuropa erreichte.
An unseren drei Wetterstationen Weißer Stein (Eifel, 684 m), Bonn (~65 m) und Hilden (~65 m, 50 km nördlich von Bonn) war die erste Welle klar messbar.
Sie traf Bonn und Hilden gleichzeitig gegen 20:20 Uhr, am Weißer Stein kam sie drei Minuten später an. Das bestätigt die Ankunft aus östlicher Richtung. Die Amplitude lag bei etwa 2–3 hPa und war am höher gelegenen Weißen Stein etwas stärker.
In den folgenden zwei Tagen wurden vier weitere Passagen registriert: Diese späteren Wellen waren Reflexionen oder Wellen, die den langen Weg um die Erde genommen haben. Ihre Ankunftsrichtungen wechselten zwischen Ost und West – ein Zeichen dafür, dass die Atmosphäre als Wellenleiter wirkte und die Wellenfronten an Temperaturgradienten, Windfeldern und Gebirgen verformt und reflektiert wurden.
Die Messung mit drei Stationen unterschiedlicher Höhe zeigt, dass die untere Atmosphäre großräumige Druckwellen über Tausende Kilometer nahezu ungedämpft transportieren kann.
Höhe und lokale Topographie beeinflussen vor allem die Amplitude, weniger die Ankunftszeit. Der Tonga-Ausbruch war damit ein natürliches Experiment zur Ausbreitung atmosphärischer Wellen – vergleichbar mit der Analyse von Erdbebenwellen im Erdinneren.
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